Fahrstunden

In Ihrer Fahrausbildung haben sie im wesentlichen zwei verschiedene Ausbildungsabschnitte:

  • Grundschulung am Übungsplatz: Sie werden von Ihrem Fahrlehrer gemeinsam mit anderen Fahrschülern betreut
  • Hauptschulung im Verkehr: Sie werden von Ihrem Fahrlehrer, der Sie auf einem eigenen Motorrad begleitet, alleine betreut

Grundschulung

Für ein sicheres Fahren im Verkehr ist das erfolgreiche Absolvieren der Grundschulung Voraussetzung.
Diese Fähigkeiten sind für das sichere Fahren im Verkehr unverzichtbar:

Anfahrsicherheit

Anfahrmanöver müssen verlässlich, also auch in verkehrsbedingten Stresssituationen, so gelingen, dass sie den Motor nicht abwürgen und mit dem Anfahrgas die Beschleunigung aus dem Stand kontrollieren können.
Abwürgen bedeutet beim Motorradfahren nicht nur wie beim Auto eine Verzögerung im Verkehr, sondern auch ein hohes Kipprisiko.
Beim Anfahren in eine Kurve (Einbiegen bei Kreuzungen) besteht durch eine zu große Anfangsbeschleunigung das Risiko, dass sie aus der Kurve getragen werden und mit dem Gegenverkehr kollidieren:

Drehzahlorientiertes Hinaufschalten

Beschleunigungen im Verkehr müssen so verlaufen, dass sie Drehzahlen verhindern, in denen sie lastwechselgefährdet sind. Lastwechsel bewirken das Risiko, dass sie beim Einbiegen entweder in Kippgefahr geraten oder aus der Kurve getragen werden. Sie müssen deshalb in der Lage sein, vor allem das Schaltmanöver in den zweiten Gang genau zum richtigen Zeitpunkt durchzuführen und in weiterer Folge auch bei Geschwindigkeiten um 50 km/h bereits alle 6 Gänge zu verwenden.

Kombiniertes Bremsen und drehzahlorientiertes Zurückschalten

Anders als beim Autofahren, können sie beim Motorrad nur sequentiell schalten. Das heißt, sie können nur einen Gang nach dem anderen schalten und können keine Gänge überspringen. Sie müssen also, während sie zum Stillstand abbremsen, bis zu 5 drehzahlorientierte Schaltmanöver durchführen können. Gelingt ihnen das nicht, riskieren sie, beim nächsten Anfahrmanöver wegen des falschen Ganges abzuwürgen oder wenn sie nicht stehenbleiben mussten, eine gefährliche Lastwechselreaktion zu erhalten.

Sicheres Stehenbleiben

Im Verkehr ist es oft notwendig, in Kreuzungen so stehenzubleiben, dass der Lenker nicht mehr gerade ist. Daraus ergibt sich eine besondere Kippgefahr, die dadurch vermieden werden muss, dass die Bremsung verlässlich degressiv (nachlassende Bremsstärke) ist, oder der Lenker doch noch gerade gestellt wird.

Kurvenfahren mit unterschiedlichen Kurvenradien

Da Kurvenfahren im Verkehr häufig auch Befahren von Kreuzungen bedeutet, ergeben sich hier besondere Anforderungen. Die Konzentration kann nicht ausschließlich auf der Richtungsblicktechnik liegen, sondern muss auch für Sicherungsblicke aufgebracht werden. Daraus ergeben sich Situationen, die zwar nicht grundsätzlich schwierig sind, aber keinerlei Fehlertoleranz aufweisen.

Deshalb:

"Safety first" - Sicherheit geht vor!

Dieser Grundsatz hat in unserer Fahrausbildung oberste Priorität. Eine Einteilung der Hauptschulung erfolgt erst nach erfolgreicher Grundschulung.

Hauptschulung

Die Anforderungen für das Fahren im Verkehr wurden bereits beschrieben. Ihr Fahrlehrer begleitet sie auf einem eigenen Motorrad bei Ihren Fahrten im Verkehr und wird zu Beginn vor ihnen fahren, um die Fahrtstrecke zu bestimmen und mit seinem Verhalten die richtige Fahrweise zu demonstrieren.

Besonderheiten im Unterschied zum Motorradfahren sind der größere Spielraum bei der Gestaltung der Fahrlinie und der größere Einfluss von Sitzposition, Körperhaltung und Blickverhalten auf die Wirkung auf andere Verkehrsteilnehmer.

Wenn sie dieses besondere Verhalten beherrschen und die in der Grundschulung trainierte Fahrzeugbedienung verlässlich anwenden können, wechseln sie mit ihrem Fahrlehrer die Reihenfolge und fahren voraus. Dabei trainieren Sie etwas, das später auch bei Gruppenfahrten wichtig sein wird; nämlich sich nicht durch routinierte, nachfahrende Fahrer zu leichtsinnigen Situationen verleiten zu lassen.

Prüfungsübungen

Wenn sie im Verkehr trainiert haben, stärkere Beschleunigungen und höhere Geschwindigkeiten zu fahren, können sie beginnen, die Prüfungsübungen am Übungsplatz zu trainieren, bei denen es um das Erreichen von exakt gemessenen Ausgangsgeschwindigkeiten geht. Diese Übungen sind grundsätzlich nicht sehr schwierig, können aber bei schlechten Fahrbahnbedingungen, hektischer Ausführung oder durch den Prüfer ungeduldig vorgetragenen Anweisungen mit einem erhöhten Sturzrisiko verbunden sein.

Prüfungsfreigabe und Mindeststundenzahl

Die Mindestfahrstundenzahl von 12 Fahrstunden ist für das beschriebene Ausbildungsprogramm sehr knapp angesetzt und wird nur von Fahrschülern erreicht, die entweder bereits fundierte Vorkenntnisse (z.B. ausführliche 125er-Praxis) haben oder ein besonderes Talent im Bereich des Bewegungslernens haben.
Eine Ausbildungsdauer über der Mindestfahrstundenzahl ist deshalb nicht ungewöhnlich und muss von Beginn an eingeplant werden.
Ein Antreten zur Fahrprüfung ist jedenfalls erst möglich, nach dem ihr Fahrlehrer bestätigt, dass auch unter z.B. witterungsbedingten erschwerten Bedingungen eine sicher Durchführung der Fahrprüfung zu erwarten ist.

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